Das echte Kuba – Tag 0 – Die Ankunft in Havanna

fred @ Veröffentlicht am (Update: )

22:40 Uhr. Das Flugzeug landet in Havanna. Die letzten zehn Stunden habe ich damit verbracht, Filme auf Spanisch zu schauen, mich darüber zu beschweren, wie sehr Condor vor die Hunde gegangen ist und vor allem mit meiner Sitznachbarin zu reden. Die Frau ist verwitwet, wird sich in Havanna einer Reisegruppe anschließen und ist unwahrscheinlich aufgeregt. Ich weiß, dass sie auf einer katholischen Mädchenschule war, wie sie ihren späteren Mann kennengelernt und verloren hat und dass sie Mitbringsel ihrer Reisen in Gedenken auf sein Grab legt. Wir sind einander sehr nahe gekommen und wünschen uns nun gegenseitig eine gute Reise. Noch wissen wir nicht, dass wir uns bald wiedersehen werden, um ewig auf unsere Taschen zu warten.

Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich endlich meinen Rucksack vom Gepäckband bekommen. Inklusive Pass- und Zollkontrolle ist es jetzt bereits halb 12. Ich wechsele etwas Geld und versuche zu dieser späten Stunde an ein Taxi zu kommen. Gar nicht so leicht. Ich treffe auf Bozena und Lech, ein polnisches Ehepaar in ihren Sechzigern, die das Ebengleiche vorhaben. Die Beiden haben am Vortag ihren Flug verpasst und wissen weder, wo ihre Unterkunft ist, noch ob sie dort heute – immerhin eine Nacht zu spät – überhaupt bleiben können. Ich habe über Airbnb ein Casa gebucht und biete den Beiden an, einfach mit mir mitzukommen. Da wird doch sicher noch ein zweites Zimmer sein…

Siehe auch: Wie finde ich die Unterkunft für die erste Nacht auf Kuba?

Bozena stellt sich als knallharte Preisverhandlerin heraus, spricht aber genau wie Lech kein Wort Spanisch. Ich übersetze und erkläre dem Taxifahrer, wo es hingehen soll. Wenige Minuten später quält dieser sein Auto auf herzaussetzende Geschwindigkeiten. Es ist 01:34, als wir bei Gisellas Casa Particular ankommen.

Ein weiteres Zimmer gibt es natürlich nicht und ein anderes weit und breit um die Zeit schon mal gar nicht. Allmählich fängt die Geschichte an, biblisch zu werden und es erweist sich als unglaublicher Glücksfall, dass mein Zimmer nicht nur ein Doppel- sondern auch ein Etagenbett beinhaltet.

So verbringe ich die Nacht tatsächlich spontan mit zwei fremden Menschen, die meine Eltern sein könnten, in einem Raum. Die Beiden gehen noch duschen, während ich feststelle, dass unter dem Druck des Frachtraums meine Duschgelflasche explodiert ist. Während des Zähneputzens entleere ich also die Waschtasche und spüle deren Inhalt ab. Katastrophe beseitigt, meine polnischen Mitstreiter bekunden, dass sie so etwas schon lange nicht mehr hatten und sich morgen eine andere Unterkunft suchen werden. Dann geht die Gruppe zu Bett. Pünktlich um kurz nach zwei tritt Lech seine Schicht im Sägewerk an. Ich drehe mich auf meiner Pritsche zur anderen Seite und kann dem Schnarchen nach einer Weile sogar etwas Meditatives abgewinnen. Endlich schlafe ich ein.

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